Im Dienste des Staates: finanziell benachteiligt wegen Typ 1

Folgendes Zeugnis offensichtlicher Benachteiligung eines angehenden Lehrers im Staatsdienst mit Typ-1-Diabetes erreichte die Redaktion. Wir bitten um Verständnis dafür, dass der Autor nicht namentlich genannt wird.

Wenn jemand chronisch erkrankt, ist er meist für sein ganzes Leben gezeichnet. Da können wir von Glück reden, dass die moderne Medizin und die technologischen Hilfsmittel es ermöglichen, als Typ-1-Diabetiker relativ unerkannt und selbstbestimmt in unserer heutigen Gesellschaft zu leben. Eine Diskriminierung oder Benachteiligung aufgrund des Diabetes ist laut unserer Verfassung verboten. Bisher entsprachen meine persönlichen Erfahrungen mehr oder weniger diesen Grundsätzen, fallen doch zusätzliche Kosten nur in seltenen Fällen an und sind beispielsweise durch die 1%-Zuzahlungsreglung begrenzt.

Um so erstaunter war ich vor kurzen, als ich erfuhr, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben aufgrund meiner chronischen Erkrankung im massiven Sinne finanziell benachteiligt werde und zwar als Staatsdiener.

Wenn man in Deutschland Lehrer an staatlichen Schulen werden will, muss man nach dem 1. Staatsexamen ein zwei-, bzw. anderthalbjähriges Referendariat ablegen. In einigen Bundesländern wird man hierfür als Angestellter aufgenommen. Einige andere Bundesländer schreiben vor, dass die angehenden Lehrer den Beamtenstatus auf Widerruf erhalten. D.h., dass die Arbeit als Beamter nach, wie gesagt zwei oder eineinhalb Jahren automatisch beendet wird. Im Gegensatz zu den Angestellten im Staatsdienst zahlt der Staat bei Beamten keine Sozialabgaben. Ohne weiter auf die fehlende Arbeitslosen- und Rentenversicherung einzugehen und ohne über die Sinnhaftigkeit einer auf zwei Jahre begrenzten Verbeamtung, die ja per se nicht begrenzt sein sollte, zu sprechen, möchte ich das Problemfeld der Krankenkassen näher beleuchten, denn die meisten Beamten sind privatversichert und werden hierfür vom Staat mit einer Beihilfe unterstützt.

Bei einem Gehalt von 1100 € Brutto ergeben sich somit monatliche Kosten von 60 € für die private Krankenversicherung, was ausgesprochen günstig ist. Wenn man als Beamter auf Lebenszeit nun an Diabetes erkrankt oder vorher erkrankt ist, wird in der Regel ein 30%iger Risikoaufschlag verlangt. Dadurch ergeben sich ähnliche Kosten wie im Angestelltenverhältnis. Leider war keine private Krankenkasse bereit, diese Reglung auch bei Beamten auf Widerruf erlauben. D.h. eine Aufnahme in diese Art der Krankenversicherung wurde aufgrund meines Typ-1-Diabetes glatt abgelehnt. Eine Kombination der Beihilfe mit der bisherigen gesetzlichen Krankenkasse war laut Aussage des Ministeriums nicht möglich.

Als nächsten Schritt versuchte ich mein Arbeitsverhältnis im Vorfeld auf das eines Angestellten zu ändern: Dies ist nur bei Ausländern vorgesehen.

Da nun sowohl der Arbeitgeber- als auch der Arbeitnehmeranteil von mir bezahlt werden muss, zahle ich bei dem oben angegebenen Rechenbeispiel über 200 € für die KV, während meine Kollegen weniger als ⅓ davon bezahlen müssen. Da ich selber noch jung bin und keine finanziellen Verpflichtungen im Sinne einer eigenen Familie habe, werde ich diese Einbuße verkraften.

Was mich jedoch wirklich ärgerte und weshalb ich diesen Artikel – aus Sicherheitsgründen unter einem anonymen Autorennamen – veröffentlichte, ist der Fakt, dass man Diabetiker, stellvertretend für alle anderen chronisch Erkrankten, die eine Arbeit als Lehrer zulassen, finanziell benachteiligt und dass es keine Ausnahmereglungen für solche Fälle gibt.

Darüber hinaus denke ich, dass die wenigsten Leser diesen Nachteil des ansonsten in der öffentlichen Meinung in den höchsten Tönen gelobten und manchmal auch verpönten oder auch verachteten, bzw. stigmatisierten Arbeitsverhältnisses zwischen dem Staat und seinen “Staatsdienern” kennen.

Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt.

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Der Teddy von München

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es leider wenige Einrichtungen in Deutschland gibt, die noch reale Grundlagenforschung betreiben. Eine dieser Studienreihen begleiteten wir publizistisch schon seit Jahren, so dass es vielleicht auch mal Zeit ist, hier davon zu berichten.

Die Teddy (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) -Studie versucht mehr über die Vererbung des Typ-1-Diabetikers herauszufinden, indem sie angefangen von einer kostenlosen Untersuchung nach der Geburt bis hin zum 15. Lebensjahr die ca. 600 jungen Probanden in Deutschland begleitet. In dieser Zeit werden unter anderen Blutproben, Befragungen und Ernährungsprotokolle regelmäßig ausgewertet. Es wird schon seit längeren vermutet, dass Umwelteinflüsse, beispielsweise Infektionen, Impfungen, psychosoziale Faktoren oder die frühkindliche Ernährung einen massiven Einfluss beim Entstehen des Typ-1-Diabetes haben, da 90% der neu Erkrankten aus Familien stammen, die noch keine Erfahrung mit dieser Stoffwechselkrankheit gesammelt haben – zu denen ich auch zählte.

Die internationale Studie wird in Deutschland seit acht Jahren durch das Münchener Institut für Diabetesforschung im Helmholtz Zentrum unter der Leitung von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, die ebenfalls der Forschergruppe Diabetes in der Technischen Universität München vorsteht, vertreten. Daneben finden sich noch Zentren in den USA, Finnland und Schweden. Insgesamt nehmen somit weltweit 6500 Kinder an der Studie teil.

Wer auf der Homepage http://www.helmholtz-muenchen.de nachschaut erkennt darüber hinaus, dass noch weitere Projekte im Bereich Typ-1-Diabetes anstehen, bzw. durchgeführt werden. So empfand ich das Grundlagenprojekt “Zusammenhang zwischen Diabetes-Risiko und Geschlecht” nicht schlecht. Auch die neue Therapieidee der “Impfstudie gegen Typ-1-Diabetes” klingt erstmal ganz interessant.

Leider kann man lediglich die Bibliografie des Institutes einsehen. Aber bei der nächsten Gelegenheit werde ich diese nutzen, um die mir zur Verfügung stehenden Universitätsbibliotheken zu durchstöbern. Bis dahin bleibt mir nur die Erkenntnis, dass es anscheinend doch eine Grundlagenforschung außerhalb der Symptomatik, wie der Blutzuckermessgeräte oder Insulinpumpen gibt. In diesem Zusammenhang sei auch noch auf das “Deutsche Zentrum für Diabetesforschung” (http://www.dzd-ev.de) verwiesen, das ebenfalls viele interessante Aspekte zum aktuellen Kenntnisstand der Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinischen Anwendung liefert.

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Blutzucker-Instinkt – jeder hat seinen eigenen

Schwitzen, Zittern, Durst, Müdigkeit, Aggression… richtig, dies können erste Anzeichen einer Hypo oder Hyper sein. Diese Anzeichen lassen sich noch in Worte fassen. Dann gibt es aber noch die feinen Anzeichen. Sie lassen sich nicht in Worte fassen. Selbst wenn sie das täten, könnten wir diese nicht der „Diabetikerschaft“ ;) oder erst recht nicht Stoffwechsel-Gesunden gut nachvollziehbar erklären.

Jeder Diabetiker erlebt die feinen Zeichen einer Unterzuckerung oder zu hohen Zuckers anders. Ich fühle mich bei hohem Blutzucker beispielsweise aufgequollen, schwer müde und benebelt. Außerdem bin ich mit dickem Bauch unterwegs, ohne unbedingt zu viel gegessen zu haben ;). Bei Unterzuckerungen werden meine Arme und Hände schwer/schlapp, ansonsten fühle ich mich eher leicht. Es überkommt mich ein Gefühl des „Nicht-mehr-aufstehen-könnens“. Jeder Diabetiker ist sein eigener Experte, hat seinen eigenen Diabetes-Instinkt.

Typ1er, die Probleme haben, Hypos oder Hypers rechtzeitig wahrzunehmen, werden oft zum Hypo-Training geschickt. Daran habe ich vor geraumer Zeit auch schon mal teilgenommen. Wenn ich ehrlich bin, hat es mir nicht weiter geholfen. Wie denn auch? Das Schulungspersonal meines Arztes kann sich nicht in mich hineinversetzen und noch weniger, wenn es selbst nicht betroffen ist.

Vielleicht hilft es aber, um es dann doch noch mal verallgemeinern zu wollen, mehr in sich hinein zu horchen. Den Blutzucker-Instinkt ausspielen, welcher über die Jahre hin wächst. Sich fragen: „Was läuft hier gerade anders?“ oder „Was bin ich in der jetzigen Situation bereit zu tun?“. Vielleicht bist du ja gerade als überzeugter Veganer bereit, Rindfleisch zu verspeisen, stellst geistig torkelnd die schmutzige Kaffeetasse in den Kühlschrank oder tust andere verrückte Dinge. Selbstforschung bringt uns jedenfalls meist ein großes Stück weiter und macht den Diabetes fast ein wenig „spannend“…


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Traubenzucker, Saft, Cola…? Hauptsache es wirkt!

Bei dem Wort Traubenzucker stellen sich bei mir alle Haare auf. Kein Wunder, nach über 20 Jahren Diabetes gibt es einfach Dinge, die man gewissermaßen satt hat. Traubenzucker steht da bei mir ganz oben auf der Liste. Ebenso scheußlich finde ich verschiedene zuckersüße Gels, die es viel zu überteuert in der Apotheke zu kaufen gibt.

Für mich persönlich klappt es derzeit mit Fruchtsäften als Erste-Hilfe-Maßnahme bei einer Hypo ganz gut. Wobei Gummibärchen, Haribo Energy Blocks und Nutella auch ganz hoch im Kurs stehen. Traubenzucker nehme ich nur, wenn gerade keine Alternative zur Hand ist. Was bei einer Hypoglykämie am besten und vor allem am schnellsten hilft, muss vermutlich jeder für sich selbst entscheiden bzw. herausfinden.

Kanadische Forscher haben aber nun heraus gefunden, dass Traubenzucker und normaler Haushaltszucker die Liste der am besten wirkenden Mittelchen gegen den niedrigen Blutzucker anführen, Fruchtsaft hingegen eher schlecht wirkt. Im Versuch haben die Forscher 33 Kinder bei einer Hypo jeweils die gleiche Menge Zuckerarten essen lassen: Traubenzucker, Bonbons mit Haushaltszucker (Sucrose) und ein Konzentrat mit Fruchtzucker (Fructose). 4,5 von 5 Hypos konnten mit Traubenzucker und Haushaltszucker ausreichend behoben werden, bei der Fruchtzuckergruppe konnte hingegen nur 3,2 von 5 Hypos ausreichend entgegen gewirkt werden.

© Foto Ilka G./mein-diabetes-blog.com

Nun gut, Studienergbnisse sind das eine, Praxis das andere. Leider, oder vielleicht auch gut, ist es bei mir so, dass ich im Fall einer Hypo nicht lange groß nachdenke, sondern einfach schnell Kohlenhydrate zu mir nehme, das können dann im Fall einer starken Hypo auch schon mal 1-2 Schokoriegel sein, bei denen ich mit klarem Kopf 3x überlegen würde, ob ich sie esse. Aber das Gefühl einer starken Hypo ist widerlich und löst manchmal sogar fiese unkontrollierbare Fressanfälle aus.

Was macht Ihr bei Unterzuckerungen? Habt Ihr Lieblings-Hypohelfer? Und kennt Ihr auch diese Anfälle?

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Morgengupf vs. Hormonchaos

„Wie wäre es mit einem Morgengupf?“ Klingt irgendwie so, als würde einem ein Stück Kuchen oder eine andere Leckerei angeboten. Ich muss zugeben, bis vor kurzem war mir dieser Begriff völlig unbekannt, aber man lernt ja nie aus. Aber nun mal der Reihe nach:
Seit mehreren Wochen habe ich ziemliche Probleme mit meinem Blutzucker am Morgen. Und damit meine ich nicht den Nüchternwert, sondern den Blutzucker am frühen Vormittag. Meine Nüchternwerte sind so gut wie immer im grünen Bereich und liegen meist zwischen 90mg/dl und 140mg/dl. Unabhängig ob ich in der Woche früh aufstehe, oder am Wochenende länger schlafe. Die Basalrate scheint also zu passen. Doch nach jedem Aufstehen (egal zu welcher Uhrzeit) folgt nach 1-2 Stunden ein hoher Blutzuckerwert, der offenbar resistent gegen jeglichen Bolus scheint. Ziemlich frustrierend! Ich habe mich dann mal schlau gemacht, Dr. Google befragt, mit ebenfalls Betroffenen gesprochen und bin schließlich irgendwann auf den MORGENGUPF gestoßen. Klingt lustig, heißt aber so.

Als Morgengupf (Gupf = Gipfel) bezeichnet man einen kleinen Bolus VOR dem Aufstehen, der einen Blutzuckeranstieg NACH dem Aufstehen, (auch Aufsteh Phänomen genannt und nicht zu verwechseln mit Dawn Phänomen) verhindert bzw. abfängt.
Grund für diesen Blutzuckeranstieg sind, wie auch beim Dawn Phänomen, die Hormone. Nach dem Aufstehen schüttet unser Körper vermehrt Hormone aus, die unseren Blutdruck nach dem Wechsel von waagerecht nach senkrecht stabilisieren sollen. Nebenwirkung dieser bösen Hormone ist eine Verminderung der Empfindlichkeit dem Insulin gegenüber.
Das Aufsteh Phänomen ist also von der Zeit des Aufstehens abhängig. Wie viel Insulin benötigt wird, um diesen Anstieg abzufangen, muss jeder für sich austüfteln.
Ich für mich persönlich habe heraus gefunden, dass es am besten funktioniert, wenn ich direkt nach dem Weckergebimmel  einen verzögerten Bolus von 2-3 Einheiten über 2 Stunden abgebe und dann noch ein paar Minuten liegen bleibe. Stehe ich VOR dem Morgengupf auf (da reicht schon der Gang aufs WC), funktioniert das ganze nicht. Das klingt zwar alles irgendwie ein wenig unglaublich, funktioniert aber.

Wie auch immer, der Morgengupf (ich glaube das Wort ist appetitanregend) ist nun seit kurzer Zeit neben dem morgendlichen Blutzuckermessen und Zähneputzen zu einem weiteren Ritual geworden und ich hoffe, dass es auch noch eine Zeit gut funktioniert, denn aus Erfahrung weiß man ja, dass der liebe Diabetes ja immer für eine Überraschung gut ist.

©Foto Ilka G./mein-diabetes-blog.com

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Der neue Diaport

Hatte ja kürzlich über Insulinallergie (Insulinallergie und über die Lösung: Diaport/Insulinport/CIPII-Therapie) gebloggt. Dieser Artikel wurde außerdem im Diabetes Journal veröffentlicht. Roche hat mich nun drarauf aufmerksam gemacht (DANKE!),  dass es zwar richtig ist, dass der Accu-Chek- Diaport in seiner alten Version nicht mehr erhältlich ist, ABER ABER ABER, dass es durchaus einen Nachfolger des Diaports geben wird. Letzterer wird bereits seit Ende 2011 im Rahmen von Studien (Bad Heilbrunn) implantiert.

Mir war bis dato nur bekannt, dass es besagte Studien gibt. Doch welche Firma dahinter steckt, wusste ich nicht/durfte ich nicht wissen. Zugegben eine Vermutung hatte ich schon. Probanden (so auch eine mittlerweile sehr lieb gewonnene Freundin von mir) waren allerdings zur Verschwiegenheit verpflichtet. Erste Studienergebnisse werden noch diese Woche im Rahmen der ATTD Conference in Barcelona vorgestellt. Und noch im dritten Quartal dieses Jahres dürfen wir mit breiter Markteinführung des Nachfolgers des Accu-Chek-Diaports in Deutschland rechnen :). Die wichtigsten Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger-Port sind:

  • Der obere Teil des Systems ist nun von einem speziellen Filzmaterial umgeben, das als Infektionshemmer agiert. Dies soll sicherstellen, dass die Haut um die Portöffnung herum richtig mit dem Polyesterfilz verwächst.
  • Das neue Design des Ports ist so angepasst worden, dass er nach der Implantation flach liegt. Dies soll die Verwachsung um die Portöffnung unterstützen.
  • Der Katheter ist elastisch und verfügt über eine weiche Spitze, so dass er sich in der Bauchhöhle bewegen kann. Dies verringert die Gefahr von Verklebungen oder Verwachsungen der Spitze des Katheters mit Gewebe.

Ich freue mich sehr darüber, denn dies macht Hoffnung, beispielsweise für Diabetiker, die unter

  • subkutaner Insulinresistenz,
  • verzögerter Insulinabsorption,
  • Brittle-Diabetes,
  • dermatologischen Problemen,
  • “starken” Allergien gegen Nickel oder Klebstoffe und
  • Veränderung des Unterhautfettgewebes (Lipohypertrophie)

leiden. Riesen Dank an Roche/AccuChek!

Accu-Chek-Insulinpumpe mit Diaport (Quelle: Roche)
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Derbe Blutzuckerwerte und die Frage nach dem “Warum”

Kürzlich einen Blutzuckerwert von 546 mg/dl gemessen, wie an anderer Stelle berichtet: Blutzuckerwert von 546 mg/dl – DERBE! Zugegeben bei dem Anblick dieses Wertes kam doch echt etwas “Panik” in mir auf. Besonders, weil ich die Nacht zuvor aufgrund der hohen Werte sogar Herzprobleme hatte. Was mir besonders “Angst” bereitete war, dass ich die Blutzuckwerte über Tage nicht senken konnte. Ich hatte meine temporäre Basalrate meiner Insulinpumpe auf 200% laufen, habe doppelt Korrektur gespritzt (mit der Einwegspritze), Katheter, Schlauch, Insulin (sogar andere Sorte und Packung verwendet), … alles gewechselt. Einen Infekt konnte ich quasi ausschließen, hatte ich auch gerade erst hinter mir. Stress? Vielleicht, ja, aber hat man diesen nicht immer irgendwie? Und wie soll man den verhindern? Das geht nicht so einfach. Außerdem kann man bei solchen miesen Blutzuckerwerten doch nicht geschmeidig bleiben, oder? Ein Teufelskreis? Meine Ärztin vermutete jedenfalls Übertraining, Stress, Burnout.

Ich habe auch zahlreiche Tipps, Vermutungen, Ratschläge bekommen, sei es über Facebook, per Mail, von Blog-Nachbarn oder als Kommentare im eigenen Blog. Danke! Alleine aus diesen Grund liebe ich meine (Blog-) Coping-Therapie: Jammern/Frust ablassen, aufklären und selbst Hilfe erhalten, alles gleichzeitig. Super Kombi, wie ich finde.

Nun möchtet ihr sicherlich wissen, was der Grund war, warum ich tagelang meine Blutzuckerwerte so gut wie gar nicht senken konnte? Mein Unterhautfettgewebe ist der Übeltäter. Na ja kein Wunder, wenn es tagtäglich neu durchstochen wird und das seit 15 Jahren. Bereits seit zwei Jahren darf ich den Katheter meiner Insulinpumpe nicht mehr in den Bauch setzen, weil mein Unterhautgewebe dort “defekt” ist. Und das, obwohl ich mir damals sogar Spritzpläne auf Bauch und Oberschenkel gemalt habe. Nun gut, bin jedenfalls zum Hüftbereich übergegangen. Und das was ich da seit einigen Monaten sehe ist scheinbar kein von mir vermuteter Hüftspeck, sondern “Lipotrophie am Injektionsort” oder so ähnlich ;), wie es meine Ärztin nett umschreibt. Nun setze ich meinen Katheter jedenfalls in Oberschenkel und Gesäß. Top-Werte habe ich immer noch nicht. Aber das Insulin zeigt wieder Wirkung :) und ich habe einen Termin für eine Ultraschall-Untersuchung. Ich denke es ist wichtig, dass mein Unterhautfettgewebe nicht nur abgetastet sonder auch “durchleuchtet” wird.

Mittlerweile habe ich ja schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass ich kontinuierlich normoglykämische Blutzuckerwerte noch erleben darf. Aber eins ist jedenfalls ganz sicher: Empowerment und Adhärenz ist durchaus gegeben und ich kämpfe weiter für eine super Blutzuckereinstellung!

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Was ist ein Diabetes-Patenkind?

Anfang Januar 2012 verschickte Diabetes-Kids eine Rundmail, in der Diabetes-Paten gesucht wurden. Als Voraussetzung für diese gemeinnützige Tätigkeit muss man natürlich selbst seit dem Kindesalter zu dem Meer der Typ-1-Diabetiker zählen und den 21. Geburtstag gefeiert haben. Obwohl ich erst mit 17 Jahren an Diabetes erkrankte, brachte mich diese E-Mail auf den Gedanken, warum die im Typ-1-Bereich unter Mitgliedermangel leidenden Selbsthilfegruppen des DDBs beispielsweise keine ähnlich lokal begrenzte Initiativen starten. Zusätzlich zu dem plakativ formulierten Programm, sich mit manchmal durchaus langweiligen Vereinsregeln zu beschäftigen und monatlich ein- oder zweimal Kegeln zu gehen, könnten die SHGs zu Zentren der Diabetes-Patenschaften werden. Durch die Kontakte zu den niedergelassenen Spezialisten und anderem medizinischen Betreuungspersonal, könnte der Diabetes-Pate dem/der jungen Diabetiker/in helfen, sich im Leben zurechtzufinden, seinen Diabetes zu akzeptieren und sich neue Möglichkeiten für eine bessere Lebensqualität zu erschließen.
Mit dieser Idee möchte ich weder die Arbeit der aktiven Selbsthilfegruppen negieren, noch die Kompetenz der Diabetes-Schwerpunktpraxen als Koordinationsstellen für das Diabetesmanagement in Frage stellen. Trotzdem gibt es leider Themen, die nur jemand versteht, der selbst von der Krankheit betroffen ist und diese Probleme bestenfalls selbst bestreiten musste. Auf der anderen Seite könnten sich auch dem Diabetes-Paten neue Erkenntnisse eröffnen, denn durch die gegebene Hilfestellung – in welcher Form auch immer, sei es nun Skype, E-Mail oder auch mal ein gemeinsamer Kinobesuch – reflektiert man sich und sein Handeln automatisch selbst. Dies erkannte ich im Lehrerberuf als zu häufig, wenn Schülern mit alltäglichen Problemen auf mich zukamen.

Gleichwohl ich nicht an dem Projekt teilnehmen kann – mit 17 zählt man wohl nicht mehr zum “Kindesalter” – finde ich es wert, unterstützt und / oder nachgeahmt zu werden.

Wenn Sie selbst schon eine Art “Diabetes-Pate” sind, wäre ich über einen kleinen Bericht Ihrer Erfahrungen sehr dankbar.

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Pumpenversagen unterm Weihnachtsbaum

In Notsituationen soll man ja bekanntlich die Ruhe bewahren. Nun, das ist leider nicht immer ganz so einfach. In einer solchen “Notsituation” befand ich mich vor ein paar Tagen, und das ausgerechnet an Weihnachten. Am zweiten Weihnachtstag musste ich bei meiner Insulinpumpe am späten Abend noch die Batterie wechseln, leider gab meine Pumpe aber nach dem Batterietausch nicht einen Ton mehr von sich. Auch nach mehrmaligem Rein- und Rausgeschraube verschiedener Batterien war da nichts zu machen. :-( Meine Insulinpumpe schien sich spontan eine Weihnachtsauszeit nehmen zu wollen. Ich hingegen war damit natürlich überhaupt nicht einverstanden. Was tun? Erstmal durchatmen und versuchen die Ruhe zu bewahren. Stress und Blutzucker vertragen sich erfahrungsgemäß nicht wirklich miteinander. Mein nächster Schritt war der Anruf beim Kundenservice meines Pumpenherstellers. Leider konnte aber auch der Herr aus der Technik mit seinen Tipps meine Insulinpumpe nicht wieder ins Leben zurückrufen und langsam wurde ich dann doch etwas nervös! Umso überraschter war ich, als er mir mitteilte, dass ich binnen einer Stunde eine neue Insulinpumpe haben würde. Bitte? An Weihnachten? 23.00 Uhr? Himmel, zu der ganzen Aufregung kam nun also auch noch eine Portion Spannung dazu. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf meinen Blutzucker, der mittlerweile bei 300mg/dl lag. Mit einem kleinen Bolus per Pen schaffte ich vorerst Abhilfe. Aber wie sollte das die Nacht über funktionieren, wenn die Pumpe nun nicht rechtzeitig geliefert würde? Kaum einige Minuten an diesen Gedanken verschwendet, klingelte es auch schon an der Haustür! Pizzamann? Nein, Pumpenmann! Und das knapp 50 Minuten nachdem ich mit dem Kundenservice telefoniert hatte!!! Wow, DAS war schnell!

So, die Pumpe war nun also da, aber meine Basalrate war blöderweise nur in der kaputten Pumpe gespeichert, meine Aufzeichnungen hatte ich natürlich nicht dabei. Meine Basalmenge hatte ich im Kopf, und so stellte ich die Einheiten pro Stunde einfach nach Gefühl ein, in der Nacht weniger, am Vormittag etwas mehr. Da ich nicht in einer Hypo landen wollte, habe ich die Basalrate sogar noch um 2 Einheiten gekürzt. Und siehe da, es hat funktioniert, und es funktioniert bis heute. Kurioserweise habe ich sogar jetzt viel bessere Blutzuckerwerte als mit meiner alten Basalrate…! :-)
Ich bin gespannt was mein Doc dazu sagt, wenn ich ihm bei meinem nächsten Termin eine völlig andere Basalrate präsentiere.
Was bleibt zu sagen? Ruhe bewahren – Blutzucker testen – auf sein eigenes Wissen und Gefühl vertrauen!

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Insulinallergie! Das Thema braucht mehr Aufmerksamkeit!

Ich bin kein Freund von Datenredundanz, aber ich wünsche mir, dass das Thema “Insulinallergie” unbedingt mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit findet. Es gibt viel zu wenig Informationen über “Insulinallergie”, “Insulinport” bzw. CIPII. Leider. Deswegen möchte ich einen Bericht, den ich in meinem Blog bereits veröffentlicht hatte, auch an dieser Stelle kundtun:

Schmerzen, Brennen, Jucken, Schwellung an der Einstichstelle? Katheter zwei- bis dreimal täglich verstopft (bei CSII). Du benötigst ungewöhnlich viel Insulin? HbA1c trotzdem meist im zweistelligen Bereich? Dies können Anzeichen einer Insulinallergie sein. Insulinallergie, so etwas ist möglich? Ja, und zwar kann der Körper beispielsweise allergisch auf die Konservierungsstoffe im Insulin oder auf die Hefen/Pilze reagieren, auf denen es gezüchtet wird. So habe ich eine Typ-1-Diabetikerin ;) auf dem DDT in Nürnberg kennengelernt, die auf Insulin, leider jeglicher Art (tierisch, synthetisch, Human-, Analog-…), allergisch reagiert. Teilweise zeigten 300 I. E. täglich keine Wirkung auf hohe Blutzuckerwerte. Die Allergie bestand bereits seit ihrer Diagnose “Diabetes Typ 1″, doch keiner hat’s bemerkt/bemerken wollen. HbA1c-Werte ständig viel zu hoch und die Ärzte dachten nur an Schluderei. Enttäuscht hat sie ständig den Arzt gewechselt. Keiner konnte ihr helfen. Schmerzen, Jucken, Brennen, Schwellung an der Einstichstelle… all das sei ja normal. Wurde auch nicht weiter drauf eingegangen. Traurig! 20 Jahre lang Verzweiflung,  unerklärlich hohe Werte. Lebensqualität gen null.

1-2 Prozent der Diabetiker leiden in Deutschland an einer Insulinallergie (Dunkelziffer?! Wer weiß?). Aufklärung im Netz, kaum zu finden. Was aber tun bei einer Insulinallergie? Sie hat nun einen Insulinport bekommen, nach dem sie den “richtigen” Arzt gefunden hatte, der ihr endlich geglaubt und ihre Sorgen ernst genommen hat. Eine Studie hat ihr die Implantation des Insulinports ermöglicht. Über einen Insulinport oder auch als Diaport (AccuChek) bekannt, passiert das Insulin nicht das Unterhautfettgewebe, wo die allergische Reaktion stattfindet, sondern gelangt über einen inneren Schlauch direkt in die Bauchhöhle des Körpers. Diese Therapie schimpft sich CIPII = kontinuierliche intraperitoneale Insulininfusion, welche nicht nur für Insulinallergiker (laut klinischer Erfahrungen) Vorteile zeigt. Sondern auch bei:

  • subkutaner Insulinresistenz,
  • verzögerter Insulinabsorption,
  • Brittle-Diabetes,
  • dermatologischen Problemen,
  • “Starken” Allergien gegen Nickel oder Klebstoffe und
  • Veränderung des Unterhautfettgewebes (Lipohypertrophie).

Hier habe ich eine bildliche Darstellung eines Insulinports finden können: http://www.diabetes-kids.de/artikel/informationen-zum-diaport-infusionsset-1855. “Leider” wurde der Diaport von AccuChek bereits Anfang letzen Jahres vom Markt genommen und in absehbarer Zeit wird es keinen Nachfolger geben. Es kam zu Problemen mit der Länge des inneren Schlauches. Je nach Körpergewicht/Körpermasse der Patienten musste dieser individuell gekürzt werden. “Spitze” Stellen des Schlauches haben inneren Organe “gepiekst/verletzt”. Neben AccuChek sind andere Hersteller teils noch in der Experimentier-/Studienphase, so meine Information. Viel mehr darf man noch nicht verraten.Ich wünsche mir jedenfalls mehr Aufklärung über dieses Thema!!!

In diesem Sinne noch mal ein riesiges Dankeschön an einen sehr lieben Menschen, der sich mir anvertraut hat und für alle Fragen offen war. Freu’ mich auf unser nächstes Telefonat :).

Außerdem danke ich den “Kommentatoren” in meinem Blog. Auch eure E-Mails, die mich zu diesem Thema erreicht haben, waren für mich sehr gewinnbringend. Vielen Unternehmen ist es wahrscheinlich gar nicht bekannt, welche vielfältigen Krankheitsbilder es gibt. Das leidige Thema, dass sich die Forschung und Herstellung für “die paar wenigen Erkrankten” nicht lohnt, kommt auch wieder voll zum Vorschein.

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