Wie schon Co-Blogger Matthias Widner kürzlich über seinen Aufenthalt in der Diabetes Klinik Karlsburg berichtete, habe auch ich mich nun neun Tage stationär behandeln lassen. Da meine letzten HbA1c -Werte nicht unbedingt im grünen Bereich lagen und mein Blutzucker fast täglich eine Achterbahnfahrt macht, habe ich zusammen mit meinem Arzt besprochen, mich in einer Diabetesklinik mal genau unter die Lupe nehmen zu lassen. Das letzte Mal hatte ich so etwas vor zehn Jahren gemacht, viel zu lang her. Mein Arzt setzte sich sofort mit der Fachklinik Bad Heilbrunn in Verbindung und so bekam ich auch innerhalb drei Wochen einen Termin.
Was mich bei der Ankunft schon mal positiv stimmte, war die angenehme Atmosphäre der Klinik, irgendwie nicht wie herkömmliche „Krankenhäuser“. Nach der Aufnahme mit den üblichen Untersuchungen und einer kleinen Einweisung in den Tagesablauf bekam ich auch schon meinen Therapieplan der nächsten Tage (der sich 2x täglich ändern kann). Ein Standardtag bestand meistens aus Labor-Insulinsprechstunde-Frühstück-Schulung-Labor-Anwendungen-Labor-Insulinsprechstunde-Mittag-Labor-Anwendungen-Schulung-Labor-Insulinsprechstunde-Abendessen. Gleich am ersten Tag stand bei mir ein Basalratentest auf dem Plan, der dann zusammen mit der Diabetesberaterin besprochen und geändert wurde. Außerdem wird in Heilbrunn vom Personal viel Wert darauf gelegt, seinen Tag möglichst an den Alltag anzugleichen. Heißt Spaziergänge, Bewegung etc. sind gerade bei Typ-1-Diabetikern erwünscht. Da ich mich aber leider vorerst sportlich zurückhalten sollte, bis Basalrate und BE-Faktoren überarbeitet waren, habe ich viele gemütliche Spaziergänge durch den gegenüberliegenden Bad Heilbrunner Kräutergarten unternommen, sehr zu empfehlen! Mehr hat dieses idyllische Fleckchen Erde leider auch nicht zu bieten, ein Ort der Entspannung eben. Ohne Ablenkung.
In den Diabetesschulungen gab es jede Menge Bekanntes, Neues oder auch einfach Auffrischung der Dinge, die man über die Jahre irgendwie vergessen hat. Besonders interessant fand ich die Schulungen vom Chefarzt und Leiter der Diabetologie Dr. Liebl, der gerne auch mal aus dem Nähkästchen plauderte.
Entspannung kam auch nicht zu kurz, so gab es zum Beispiel nach Bedarf Heuanwendungen oder Hydrojet-Massagen. Außerdem wurden wichtige Untersuchungen wie Ruhe-EKG und Doppler-Sonografie der Arterien gemacht. Und ich kann ein wenig stolz sagen, dass nach 21 Jahren Diabetes alle Untersuchungsergebnisse vorbildlich sind! Nach sechs Tagen Geteste und Probiere hatten wir dann endlich meine Basalrate und die BE-Faktoren korrigiert, und das Ergebnis war für den Doc, meine Diabetesberaterin und für mich gleichermaßen überraschend. Ich konnte meine Basalrate von 28,6 Einheiten auf 21,3 Einheiten kürzen und die BE-Faktoren liegen nun alle (bis auf den frühen Vormittag) bei 1:1! Das heißt, ich konnte alle meine BE-Faktoren halbieren und die Basalrate um fast 1/3 senken. Da ich allerdings als Akutfall eingeliefert wurde, und diese immer nur neun Tage bleiben, haben wir es leider nicht mehr geschafft, mein Hauptanliegen, die Sache mit dem Sport und dem Wertechaos zu klären. Dafür habe ich zumindest noch einige Tipps erhalten und wenn es ganz und gar nicht klappt, dann darf ich wiederkommen, so der Herr Doktor, denn ich sei eh ein interessanter Fall…. ;-).
Dennoch bin ich froh, dass ich mich für einen Klinikaufenthalt entschlossen habe, beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall nicht wieder zehn Jahre damit warten. Außerdem habe ich viele interessante Leute kennen gelernt. Junge Diabetiker mit Spätfolgen, alte Diabetiker mit Insulinresistenz (über 250 Einheiten am Tag), einen Bauchspeicheldrüsen-Transplantierten und eine Dame aus London, die einem doch wieder ein wenig ins Bewusstsein rief, wie gut wir es doch eigentlich mit der medizinischen Versorgung in Deutschland haben, auch wenn viel an unserem Gesundheitssystem gemeckert und kritisiert wird…!





