Schockiert: Keine Kohlenhydrate, viel Fett und schwere körperliche Arbeit, wozu denn auch Therapiehilfsmittel?

Diabetiker erhielten 1931 kein Insulin, um den Diabetes zu therapieren, obwohl dieses Hormon zur damaligen Zeit bereits als Therapie-Möglichkeit bekannt war. Die Therapieempfehlung lautete: Keine Kohlenhydrate, viel Fett und schwere körperliche Arbeit. Krass!!! Diese gesundheitliche Bedrohung ließ 1931 den Deutschen Diabetiker Bund (DDB) entstehen. Die Mitgliederzahl stieg schnell auf 25.000. Allerdings wurde der DDB unter der Nazi-Diktatur und der Gleichschaltung gesellschaftlicher Gruppen zerschlagen. Diabetiker wurden ausgegrenzt, durften weder heiraten noch Kinder bekommen.

Nach dem zweiten Weltkrieg, sorgte man sich dann aufgrund der Mangelwirtschaft um eine ausreichende Versorgung der Diabetiker, ebenso um deren Rechte und Belange. 1951 wurde der DDB dann neu gegründet, um sich genau dafür stark zu machen. Und das tut der DDB auch heute noch. Und wer glaubt, dass dies heute nicht mehr nötig sei, liegt definitiv falsch und ist bisher glücklicherweise vielleicht NOCH verschont geblieben. Das Gegenteil ist Tatsache: Der G-BA streicht eifrig Therapiehilfsmittel aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Bestes, aktuelles Beispiel die Teststreifen, die nicht-insulinpflichtige Diabetiker nun nicht mehr erstattet bekommen. Da fehlen mir die Worte. Aber nicht nur Typ-2er sind betroffen. Moderne Hilfsmittel wie Insulinpumpen und CGM-Systeme werden ebenso nur noch selten und auch künftig immer seltener von den Krankenkassen genehmigt, sie werden uns einfach vorenthalten. Der Blick in die Zukunft ist besorgniserregend, ganz ehrlich. Manchmal frag ich mich, warum denn dann überhaupt noch geforscht wird. So heftige Gedanken kommen auf.

Im G-BA haben Patientenvertreter des DDB zwar ein Mitberatungsrecht, aber die Entscheidungen treffen Vertreter der Krankenversicherungen, Ärzte und Krankenhäuser. Und was haben wir nun noch für Chancen? Werden wir vielleicht auch mal erhört? Sind wir denen egal? Ich versteh das nicht. Wir als Betroffene können wohl am besten entscheiden, welche Therapiehilfsmittel wir benötigen oder nicht? Hallooo?! Es geht um uns, um unsere Versorgung, um unsere Lebensqualität. Haben wir da kein Recht drauf? Was geht hier ab, mal ehrlich! Wo führt das noch hin? Sollen wir uns irgendwann wieder wie 1931 ohne Kohlenhydrate, mit viel Fett und schwerer körperlicher Arbeit therapieren? Welch Freude, Erleichterung und welchen Nutzen mir ein CGMS im Rahmen einer Studie gerade beschert hat, ist euch da oben doch gar nicht bewusst, siehe “CGMS-Studie”.

Diabetiker da draußen, uns bleibt nichts anderes übrig, wir müssen zusammenhalten und gemeinsam kämpfen – zum Beispiel als Mitglieder des DDB: Als starke Gruppe können wir Widerstand organisieren, unser Anliegen auf die Straße tragen und für unsere Versorgung und die damit verbundene Lebensqualität kämpfen. Also packen wir’s an.

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5 Antworten auf Schockiert: Keine Kohlenhydrate, viel Fett und schwere körperliche Arbeit, wozu denn auch Therapiehilfsmittel?

  1. Margot Börner sagt:

    Hoffentlich werden durch diesen (super!) Beitrag doch mal wieder ein paar Diabetiker wachgerüttelt und treten dem Deutschen Diabetiker Bund bei. Wir gehen mit Sicherheit keinen rosigen Zeiten entgegen und nur in einer starken Gemeinschaft können wir uns auch wehren :-)

  2. Danke Margot :). Das hoffe ich auch :)!

  3. Hi Stefanie,

    deine Einleitung zu der Geschichte in den 30er Jahren ist etwas undifferenziert und m.V. so nicht ganz richtig. Die Haltung des 3. Reichs zu Diabetikern ist höchstgradig ambivalent. Eine Ausgrenzung wie bei Epilepsie gab es nicht! Diabetologen wie Gerhard Katsch, der später die ICT mitentwickelt hat, und den berühmten Satz schrieb: “Diabetiker sind bedingt gesund.”, ging in den 30er Jahren im Reichsgesundheitsamt ein und aus.

    Bezüglich des weiteren Berichtes stimme ich Dir natürlich zu! ;)

  4. Steff sagt:

    Danke für deinen Kommentar Matthias. Du meinst den Satz “Diabetiker wurden ausgegrenzt, durften weder heiraten noch Kinder bekommen.”?
    Danke für deinen Hinweis, man lernt nie aus ;).

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