Pünktlich zum Anfang des neuen Quartals war auch ich wieder bei meinem Diabetologen. Gewicht, Blutdruck, Blutwerte, Füße…das Übliche.
Allerdings war mein Arztbesuch diesmal irgendwie nicht so entspannt wie sonst. Abgesehen davon, dass das Wartezimmer diesmal eindeutig voller war als sonst, herrschte allgemeine Unruhe und Aufregung.
Grund: mit dem neuen Quartal ist Anfang Oktober auch die neue Teststreifenverordnung für Typ-2-Diabetiker in Kraft getreten. Der Unmut und die Verzweiflung darüber war an diesem Tag deutlich in der Praxis zu spüren. Nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollen Patienten mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzen, Blutzuckerteststreifen in der Regel nicht mehr auf Rezept bekommen. In Deutschland trifft das auf zwei Drittel der Typ-2-Diabetiker zu.
Zwar stimmt die Aussage, dass der Diabetiker selber an einem schlechten Blutzuckerwert mit oralen Antidiabetika ja erst mal nichts machen kann, allerdings kann eine regelmäßige Kontrolle den Patienten helfen, Zusammenhänge zwischen Bewegung, Ernährung und dem Blutzucker zu erkennen und Eigenverantwortung zu übernehmen.
Knapp 4,7 Millionen Diabetiker, die nun vor einem Riesen-Problem stehen: wie den Diabetes “bekämpfen”, wenn die Möglichkeit der Kontrolle genommen wird?
Im Gespräch mit einer Typ-2-Diabetikerin, die im Wartezimmer nehmen mir saß, kam heraus, dass es sich die Kassen an dieser Stelle offenbar auch sehr einfach machen. „Sprechen sie dies bitte mit ihrem Arzt durch, der wird Ihnen das schon erklären!“
Die Leidtragenden sind neben den Patienten wohl also auch die Ärzte und Sprechstundenhilfen, die sich dem Frust der Patienten entgegen stellen und Aufklärungsarbeit leisten müssen. Die arme MFA an der Rezeption war zumindest sichtlich überfordert an diesem Tag und musste sich leider auch die eine oder andere Beschimpfung anhören.




