Rückblick auf den Weltdiabetestag 2011

Nun ist er also schon wieder vorbei, der Weltdiabetestag 2011. Einige Tage vergehen einfach viel zu schnell und einige scheinen endlos zu sein. Der Weltdiabetestag, der 1991 zum ersten Mal von der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen wurde, wird jährlich am 14. November gefeiert. Warum der 14. November? Das Datum erinnert an den Geburtstag von Fredrick G. Banting, der zusammen mit Charles Herbert Best 1921 das Hormon Insulin entdeckte, und dadurch Millionen von Diabetikern das Leben rettete.
Wie bereits im Vorjahr, sind Finn und ich auch in diesem Jahr anlässlich des Weltdiabetestages wieder nach Berlin gereist.  Die offizielle Veranstaltung hierzu fand bereits am Sonntag im ICC statt. Der Tag bot auch Gelegenheit, endlich mal wieder ein paar Leute vom Open Journal und auch aus anderen Diabetes-Netzwerken zu treffen und eine Runde zu plaudern.

Auf der Veranstaltung selbst war, im Gegensatz zum letzten Jahr, das Publikum deutlich jünger, was ich ziemlich erfreulich fand, obwohl in Sachen Werbung in diesem Jahr offenbar nicht so viel getan wurde. Zumindest  habe ich außer im Internet nicht viel davon mitbekommen. Trotzdem waren die verschiedenen Vorträge und Veranstaltungen gut besucht. So hielt zum Beispiel Prof. Dr. Thomas Danne einen Vortrag über  Diabetes bei Kleinkindern, Ulrike Thurm berichtete über die Vorteile von CGMS bei Typ-1-Diabetikern und Patric Heizmann begeisterte mit “Ich bin dann mal schlank“. Leider war nicht die Zeit und Möglichkeit da, an allen Vorträgen teilzunehmen, zumal für unseren Blog ja auch noch ein kleines Interview mit Blacky Fuchsberger auf dem Programm stand. Musikalisch wurde der Tag von Maite Kelly begleitet, die auch die Preise für den Fotowettbewerb übergab.

Auf der Industrieausstellung konnte man sich ausreichend über diverse Produkte und Dienstleistungen informieren, ausprobieren und beraten lassen.  So bot sich mir zum Beispiel die Gelegenheit mal auf Tuchfühlung mit der Animas Vibe Insulinpumpe zu gehen, mit der ich schon seit einiger Zeit liebäugel’.  Wenn man mal das ganze aktuelle Angebot an Patchpumpen und CGMS betrachtet, komme ich mir mit meiner jetzigen Insulinpumpe richtig altmodisch vor. Vom Ypsomed-Stand habe ich mir einen OmniPod-Dummy mitgeben lassen, um mal zu testen, wie sich so eine Patchpumpe anfühlt.

Alles in allem war es ein schöner Tag mit interessanten Beiträgen, netten und informativen Gesprächen und wieder einmal der Erkenntnis, dass man mit Diabetes wirklich nicht allein ist!
Einige Fotos vom Weltdiabetestag 2011 gibt es hier.

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Am 20.11.2011 öffnet der Deutsche Diabetiker Tag seine Tore…

… und darauf freuen wir uns ganz besonders! 3 Jahre hat er pausiert und nun ist es wieder soweit: Am 20. November 2011 (hui schon diesen Sonntag) findet der „Deutsche Diabetiker Tag“ (DDT) in Nürnberg (NürnbergMesse GmbH) statt. Es gibt zwei Jubiläen zu feiern: 60 Jahre Deutscher Diabetiker Bund sowie 60 Jahre Diabetes Journal. Ich freue mich auf eine fulminante Gemeinschaftsveranstaltung der “diabetestour” (Kirchheim-Verlag Mainz) und des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB, Kassel) und besonders auch darauf, einige der Open- und Diabetes-Journal-Redakteure, die Bulgarian-Bag Trainer und “Facebook-Diabetiker” ;) (wieder) zu treffen.

Was uns vor Ort erwartet? Workshops, Vorträge, Seminare, Koch-Shows, Diskussionsrunden, Vorführungen, eine große Industrieausstellung, Polit- und Sport-Prominenz, Hypo-Hunde und auch die ein oder andere Überraschung – will ja noch nicht zu viel verraten ;). Seid ihr dabei? Ich freu mich drauf, eine Reise nach Nürnberg lohnt sich. Hier erfahrt ihr mehr: Nürnberg: zuerst Deutscher Diabetiker Tag, dann Christkindlesmarkt!

Deutscher Diabetiker Tag

Deutscher Diabetiker Tag

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Das Open Journal – ein Rückblick

Nun ist also schon über ein Jahr vergangen, seit das “Projekt Open Journal” an den Start ging. Kaum zu glauben, dass es schon so lang her ist, dass wir uns alle im Hofhut Georgenthal trafen, um den Inhalt des Journals zu planen und dem ganzen Projekt Form zu geben. Es folgten einige spannende Monate gefüllt mit Recherchen, Telefonkonferenzen, Fotoshootings, Korrekturen, Diskussionen und letztlich das Ergebnis: Das Open Journal, ein Heft von Diabetikern für Diabetiker.

Rückblickend würde ich behaupten, wir Leserredakteure haben zusammen mit dem Verlag und der betreuenden Agentur das Ding ganz gut geschaukelt. In der Zwischenzeit ist bei einigen von uns viel passiert und es haben sich aufregende Dinge ereignet. Freundschaften wurden geschlossen, Treffen organisiert, es wurde geheiratet, Marathons gelaufen, neue Blogs erschaffen, Kinder gekriegt, an Studien und Veranstaltungen teilgenommen, Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und und und…!
Einen kleinen Teil der Leserredakteure und einige neue Blog/Facebook/Twitter- Bekanntschaften werde ich am nächsten Wochenende in Berlin anlässlich des Weltdiabetestages treffen, worauf ich mich schon ziemlich freue. Quasi ein kleines Familientreffen, wie Richard von der Diabeteszentrale es kürzlich treffend formulierte.
Ich persönlich konnte dem Projekt Open Journal nur Positives abgewinnen und
habe ausschließlich gute Resonanzen bekommen, was mich noch mehr bestärkt in Sachen Diabetes viel mehr an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich bin froh, dass ich dabei sein durfte! Und wer weiß, vielleicht gibt es ja noch mal ein Open Journal “reloaded”!?

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Keine Blutzuckerteststreifen mehr für Typ-2-Diabetiker – Frust im Wartezimmer

Pünktlich zum Anfang des neuen Quartals war auch ich wieder bei meinem Diabetologen. Gewicht, Blutdruck, Blutwerte, Füße…das Übliche.
Allerdings war mein Arztbesuch diesmal irgendwie nicht so entspannt wie sonst. Abgesehen davon, dass das Wartezimmer diesmal eindeutig voller war als sonst, herrschte allgemeine Unruhe und Aufregung.
Grund: mit dem neuen Quartal ist Anfang Oktober auch die neue Teststreifenverordnung für Typ-2-Diabetiker in Kraft getreten. Der Unmut und die Verzweiflung darüber war an diesem Tag deutlich in der Praxis zu spüren. Nach dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollen Patienten mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzen, Blutzuckerteststreifen in der Regel nicht mehr auf Rezept bekommen. In Deutschland trifft das auf zwei Drittel der Typ-2-Diabetiker zu.

Zwar stimmt die Aussage, dass der Diabetiker selber an einem schlechten Blutzuckerwert mit oralen Antidiabetika ja erst mal nichts machen kann, allerdings kann eine regelmäßige Kontrolle den Patienten helfen, Zusammenhänge zwischen Bewegung, Ernährung und dem Blutzucker zu erkennen und Eigenverantwortung zu übernehmen.
Knapp 4,7 Millionen Diabetiker, die nun vor einem Riesen-Problem stehen: wie den Diabetes “bekämpfen”, wenn die Möglichkeit der Kontrolle genommen wird?
Im Gespräch mit einer Typ-2-Diabetikerin, die im Wartezimmer nehmen mir saß, kam heraus, dass es sich die Kassen an dieser Stelle offenbar auch sehr einfach machen. „Sprechen sie dies bitte mit ihrem Arzt durch, der wird Ihnen das schon erklären!“
Die Leidtragenden sind neben den Patienten wohl also auch die Ärzte und Sprechstundenhilfen, die sich dem Frust der Patienten entgegen stellen und Aufklärungsarbeit leisten müssen. Die arme MFA an der Rezeption war zumindest sichtlich überfordert an diesem Tag und musste sich leider auch die eine oder andere Beschimpfung anhören.

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Chinareise Teil 2

Wie angekündigt, möchte ich mich – mit einiger Verspätung – in einem zweiten Teil zu meiner China-Reise unter diabetischen Vorzeichen zurückmelden. Ich könnte nun seitenlange Texte über meine allgemeinen Erlebnisse und Eindrücke loswerden, doch der folgende Text sollte ja eine Relation zum Thema Diabetes besitzen und wird folglich nur einen kleinen Ausschnitt liefern.

Attest

Wie schon hinreichend bekannt, sollte man sich für jede Flugreise ein ärztliches Attest besorgen. Dieses sollte in Deutsch, Englisch und – wie in meinem Fall – in Chinesisch vorliegen. Da ich in der Vorbereitung der Reise keinen entsprechenden Text in der Landessprache gefunden habe, habe ich den englischen Text von chinesischen Freunden übersetzen lassen. Bitte vertrauen Sie nicht darauf, dass sie es nur im internationalen Flughafen, wo die meisten Angestellten Englisch beherrschen (sollten), benötigen. Da China ein – wie drücke ich es charmant aus – weniger demokratisches Land ist, wird man zumindest in Peking sehr häufig kontrolliert. Jede U-Bahn Station hat einen Security Check, den man durchlaufen muss. Obwohl man als Ausländer einen gewissen Bonus besitzt und die meisten lokalen Sicherheitskräfte äußerst freundlich waren, kann eine Insulinpumpe, die ja zwingend jede Sicherheitsschranke zum Piepen bringt, für einige Verwirrung sorgen. In diesem Fall ist eine griffbereite Kopie eines chinesischen Attests äußerst hilfreich. Wer eine digitale Version des Textes benötigt oder eine andere Version in den Tiefen des Internets gefunden hat, kann sich gerne bei mir melden.

Kontrollen & Sicherheit

Entgegen anders lautenden Berichten im Fernsehen ist Peking einer der sichersten Großstädte der Welt. Das wird dem Besucher allein schon durch die massive Polizeipräsenz bewusst. Trotzdem sollte man wie erwähnt immer und überall eine Kopie des Attests griffbereit haben. Weiterhin hatte ich jeden Tag die Ersatzpens und ein aufgezogenes Reservoir Insulin mit. Da auf diesem kein Etikett mit der Aufschrift “Insulin” zu finden ist, empfiehlt es sich das Insulinfläschchen (10ml) mitzunehmen und die Reservoirs einzeln im Hotel aufzuziehen. Dort deponierte ich auch meine Ersatzpumpe. Besorgen Sie sich eine Geheimtasche, die man mit Hilfe eines Gummizuges unter dem T-Shirt trägt. Hier habe ich neben meinem Pass, die Kreditkarten und ein wenig Geld sowie mein Notinsulin untergebracht, während der Ersatzkatheter und die Notfall-Pens im Rucksack waren.

In einen der wenigen Bücher, die ich in Vorbereitung auf meine Reise gelesen habe, stand ein durchaus zutreffender Spruch über die Sicherheit von Ausländern in China. Chinesen sind immer höflich distanziert und wollen unter keinen Umständen ihr Gesicht verlieren. Daher werden sie nie Ausländer auf der Straße aktiv ansprechen. Die einzige Ausnahme: In abgelegenen Dörfern und Kleinstädten werden sie höchstens angestarrt oder man fragt Sie, ob Sie für ein gemeinsames Foto zur Verfügung stehen. Immerhin ist die Begegnung mit einem Ausländer – vor allem im dünn besiedelten Westen des Landes – ein Highlight, das festgehalten werden muss. Trotzdem werden Chinesen Sie nie in einen Smalltalk verwickeln, es sei denn, sie wollen Sie von der überwachten Straße in eine Kunstgalerie, Restaurant oder Club locken und Sie dort davon überzeugen viel Geld zurückzulassen. Daher brauchen Sie auf der Straße keine Angst haben. Alleine sind Sie in Peking sowieso nie. Folgen Sie aber nie einem unbekannten “Fremdenführer” oder einer jungen “Studentin”, die ihr “Englisch verbessern will”.

Im absoluten Notfall verfügen die chinesischen Metropolen über eine sehr gute medizinische Versorgung. Da Ausländer mit jeder Leistung in Vorkasse gehen müssen, erkundigen Sie sich nach einer Auslandskrankenkasse. Viele günstige Versicherungen sind in China nicht aktiv, da es (immer noch) nicht zu den viel besuchten Urlaubsländern zählt. Ich entschied mich, in der Reiseagentur, in der ich auch den Flug buchte, eine spezielle Auslandskrankenversicherung für China abzuschließen, die je nach Aufenthaltsdauer zwischen zehn und 50 Euro liegt.

Wetter & Trinken

Peking ist eine Stadt der Extreme. Da verwundert es nicht, wenn auch das Wetter für Mitteleuropäer sehr seltsam anmutet. Eigentlich gibt es nur einen Monat, in dem man die chinesischen Hauptstadt besuchen sollte: September. Im Winter ist es sehr kalt und das Thermometer kommt selten über den Gefrierpunkt. Im Frühjahr dominieren Nordwestwinde die Wetterlage und bringen Sandstürme von der nahen Wüste in die Stadt. Im Juli und August fällt  bei täglich um 40 °C fast der gesamte Niederschlag des Jahres und im Oktober beginnen die staatlichen Ferien. Jeder Ausländer sollte das Land vorher verlassen haben, da nun fast überall an der Küste der Verkehrskollaps droht und sowohl nationale, internationale Flüge als auch Zugtickets enorm begehrt sind. Folglich bleibt nur der September übrig. Dieses Jahr war es ungewöhnlich warm und extrem trocken, so dass ich immer genug zu trinken dabei haben musste.
In Großstädten wie Peking gibt es auch einen anderen Grund, warum das Trinkwasser so wichtig ist. Bis auf den ersten Tag lag die ganze Zeit eine Dunst- und Smogwolke über der Stadt. Um die Augen zu schützen, ist es äußerst ratsam mehr als zwei Liter am Tag zu trinken. Da verwundert es nicht, dass abgefülltes Trinkwasser in Einwegflaschen selbst für deutsche Verhältnisse recht teuer ist. Man kann eine 0,5 Liter Flasche stilles Wasser überall in den Innenstadtbezirken Pekings für 2 bis 4 Yuan (20 – 40 Eurocent) erwerben. Achten Sie jedoch darauf, dass die Flaschen wirklich industriell verschlossen sind.

Sicher sind jedoch die vielen Hostels, Hotels und großen Restaurants, in denen die Gefäße jeglicher Art mit Hilfe von Wasserspendern aufgefüllt werden können. Das Leitungswasser sollte man auch in der Hauptstadt des Reichs der Mitte definitiv nicht trinken.

Alternativ dazu, habe ich mehrere Teesorten gefunden, die in gekühlten Einwegflaschen für 4 bis 6 Yuan verkauft werden. Alle diese Flaschen waren ausreichend etikettiert, so dass man die Kohlenhydrate nicht raten musste. Trotzdem empfehle ich auf jeden Bolus für diese Eisteevarianten zu verzichten, da es sehr anstrengend sein kann, bei solch hohen Temperaturen durch die Stadt zu laufen.

Fazit
Ein Abstieg der durchaus BE frisstAls Fazit kann man zusammenfassen, dass selbst ein Besuch in der Hauptstadt des chinesischen Reiches heutzutage kein Problem mehr darstellt. Im Gegensatz zu einer Reise innerhalb der Europäischen Union sind jedoch weitergreifende Vorkehrungen notwendig:

  • Das Attest sollte in Deutsch, Englisch und Chinesisch vorliegen. Wenn man eine chinesische Provinz oder Region bereist, deren Sprache sich massiv von dem Standardchinesisch unterscheidet, sollte eine vierte Übersetzung angefertigt werden.
  • Transportieren Sie das zusätzliche Insulin immer an getrennten Orten, bspw. Rucksack und Brusttasche.
  • Um die Einreise gut zu überstehen, empfiehlt es sich, originale Insulinfläschchen mitzunehmen und die Reservoirs vor Ort aufzuziehen.
  • Viele Firmen stellen kostenfrei eine Urlaubspumpe zur Verfügung, die neben den Notfall-Pens eine zweite Absicherung darstellt.

Selbstverständlich basieren Blog-Beiträge über meine China-Reise nur auf meine individuellen Erfahrungen und lassen sich nicht deckungsgleich übertragen. Trotzdem hoffe ich, dass meine Gedanken dazu beitragen, dass man sich auch in China als Besucher auf das Wichtige im Leben konzentrieren kann. Und das ist nicht zwingend der Diabetes!

PS: Unterschätzen Sie nicht, wie anstrengend ein Besuch auf der großen Mauer ist. Nehmen Sie genügend Traubenzucker mit, da man auf der Mauer nichts käuflich erwerben kann.

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Marathon in Bremen mit CGMS

6:17 Uhr fuhr DER Zug von Hannover zum Bremer Marathon (“Mit der U-Bahn ins Paradies” – oder wie war das bei “Supertalent” ;)?). In diesen bin ich eingestiegen. Doch ob ich wirklich teilnehmen wollte, diesbezüglich war ich mir immer noch nicht sicher. Meinen Mann hatte ich aber nun um 5 Uhr am Sonntag geweckt und gesagt, wir fahren da jetzt einfach hin. Mein Problem war neben meiner Selbstzweifel auch, ob ich den Marathon trotz Fraktur im medialen Tibialplateau wirklich angehen sollte. Wo bleibt da die Vernunft? Trainiert hatte ich genug, doch ich zweifelte trotzdem… Aber nicht wegen meines Diabetes, sondern generell, pack ich das? Mit einer Stunde Verspätung kam ich dann jedenfalls in letzter Sekunde gerade noch rechtzeitig bei der Akkreditierung/Nachmeldung an. Glück gehabt, na ja Glück ;)? Das würde sich noch zeigen…

794 Männer und 139 Frauen nahmen dieses Jahr am Marathon in Bremen teil. Darunter irgendwo halt dann doch auch ich. Trainiert hatte ich 30 Kilometerläufe schon desöfteren aber was, wenn heute einfach nicht mein Tag ist? Außerdem sind das über 42 Kilometer… wie weit ist das eigentlich? Von Hannover bis nach Celle…die Zweifel ließen nicht nach, doch der Wille war da, diese zu bekämpfen.

Zum Glück darf ich derzeit im Rahmen einer Studie ein CGMS (Abott Freestyle Navigator) tragen, was mir den Lauf deutlich erleichterte und meine Nervosität reduzierte. Ich hatte meinen Navigator fast den kompletten Lauf lang zur Hand und habe die Werte stetig beobachtet. Tendenzpfeile geben die Gradrichtung an, in die sich mein Blutzucker bewegt. Danach habe ich gehandelt. Tendenz nach unten bedeutete essen (knappe 8 BE habe ich vertilgt), Tendenz nach oben, Basalrate erhöhen, ggf. Korrekturinsulin abgeben (war allerdings zu keiner Zeit nötig). Ehrlich gesagt habe ich den ganzen Lauf mit meiner temporären Basalrate, vielleicht auch etwas zu nervös, “gespielt”. Zeitweise (anfänglich) hatte ich sie auf 10%, die meiste Zeit auf 40% und nie höher als 60%. Vorausschauend immer an den Tendenzpfeilen und Werten orientierend.

Leider kam es aber zu anderen “Problemen”, beispielsweise war die Batterie meiner Insulinpumpe leer. Was also tun ohne Ersatzbatterie? Außerdem gab es da noch ein wenig Ärger mit der “Klodame”, die es geschafft hat, mich sehr ärgerlich zu stimmen. Hier erfahrt ihr mehr und auch meine Zielzeit, wer sie noch nicht auf dem Foto entdeckt hat ;): “Makkaroni Marathoni“. Viel Spaß beim weiter lesen :).

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Erfreut, schockiert, erstaunt auf der diabetestour Hannover

Letztes Wochenende fand die „diabetestour” wieder in Hannover statt. Bisher war ich jedes Mal dabei, so auch in diesem Jahr. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich habe auch schon ausführlich darüber Bericht erstattet, siehe “Diabetestour Hannover – immer wieder ein Erlebnis” und “Persönliche Highlights der diabetestour“. Im Großen und Ganzen steht da alles drin, was ich wieder einmal vor Ort erleben durfte. Und auch der Kirchheim-Verlag/Diabetes Journal hatte natürlich schon Bericht erstattet, siehe “diabetestour Hannover: über 3000 begeisterte Besucher“.

Heute möchte ich aber noch ein paar „Kleinigkeiten“ ergänzen. Denn in meinen oben genannten Artikeln bin ich kaum auf den Erfahrungsaustausch eingegangen, der auf solchen Veranstaltungen ja doch immer sehr rege stattfindet. Das will ich nun nachholen:

1. Erfreut

Gefreut habe ich mich über einen Hannoveraner, selbst Typ-1er, vielleicht ein paar Jährchen älter als ich, sprich Mitte 30. Er kannte mich von der Open-Journal-Ausgabe des Diabetes Journals. Mist, Autogrammkarten hatte ich vergessen ;). Nee ;), auf jeden Fall hat er mir erzählt, dass er selbst bekennender Spinning-Liebhaber ist. Seltene Begegnung :). War klar was zu tun war: Kontaktdaten austauschen! Außerdem hat er mich darauf hingewiesen, dass ich allen ausrichten und unbedingt weitertragen soll, dass es eine Open-Journal-Ausgabe bald wieder geben MUSS. Das habe ich an dieser Stelle nun getan! Also, ihr habt mich gehört…

2. Schockiert

Schockiert hat mich die Aussage einer Dame mittleren Alters. Sie setzte sich zu mir an den Tisch und erzählte mir von ihrem Diabetes: Sie hat bereits seit 30 Jahren Typ 1. Dann kam schon bald zur Sprache, dass sie die „diabetestour” auch deshalb besucht, weil sie hier die Untersuchungen machen lassen kann, die ihr Arzt bei ihr nie durchführt… oh je. Hier wäre die Zeit dazu. Außerdem war wieder der ein oder andere vor Ort, der mitteilte, keinen Sport treiben zu DÜRFEN, weil er Diabetes hat. Ich denke die Bulgarian-Bag-Trainer Roman Allkämper und Thomas Wolff (www.bulgarian-bag-training.com) haben sie vom Gegenteil überzeugt.

3. Erstaunt

Erstaunt hat mich Sprinter Daniel Schnelting. Diesmal nicht mit einem schnellen Lauf, sondern, dass er sich verdammt viel Zeit für jeden Einzelnen auf der diabetestour genommen hat. Außerdem meinte er zu mir, dass er schon von mir gehört habe. Ja ja kann ja jeder sagen ;) (na ja wohl über den DDB ;)). Aber es hat mir doch ein wenig geschmeichelt. Hab auch mit ihm Kontaktdaten getauscht bezüglich eine eventuellen Zusammenarbeit, denn „DDB goes sporty“;).

So ich denke, das Wichtigste ist nun, in meinen damit mittlerweile dritten Bericht über die „diabetestour“,  gesagt. Es lohnt sich halt immer wieder dort hinzugehen.

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Mein erster Halbmarathon

Nach wochenlangem Training war es vergangenen Sonntag endlich soweit: meine „Laufleidenschaft“ konnte durch das Bezwingen eines Halbmarathons gestillt werden. Dabei war es in letzter Zeit gar nicht ganz klar, ob ich wirklich antreten könnte. Denn durch das viele Lauftraining machten mir Probleme wie die Überlastung meiner Achillessehnen zu schaffen. Diese zwangen mich in den letzten drei Wochen zur Verminderung meines Trainingpensums und teilweise sogar zur Trainingspause. Dennoch hielt ich fest daran, den „Kampf“ auf mich zu nehmen und die 21,1 km zu laufen. Neben den o.g. gesundheitlichen Problemen und dem Diabetes wurde dieser aber auch noch durch eine enorme Hitze, Schwüle und einem beinahe tropischen Klima am Sonntag erschwert.

Wie ich es bisher mit dem Diabetesmangement und dem Laufen halte, könnt Ihr in diesem Bericht lesen.

Doch am Sonntag war das Diabetesmanagement durchaus verbesserungswürdig. Einer meiner größten Sorgen war das Auftreten einer Unterzuckerung in Kombination mit aufgebrauchten Traubenzucker- und Colavorräten. Ich konnte außerdem nicht gut einschätzen, ob mein Körper auf das Laufen bei dem schwülen Wetter anders reagieren würde und wie.

Aber beginnen wir am Anfang. Ich stand morgens mit einem Wert von 79 mg/ dl auf und frühstückte 1,5 BE, die ich mit nur 0,5 E Insulin korrigierte (eigentliche 1,5 E/ BE). Etwa 1,5 Stunden vor dem Lauf aß ich bei 111 mg/ dl eine weitere BE und etwa eine halbe Stunde vorher ebenso.

Um Unterzuckerungen vorzubeugen, reduzierte ich bereits zwei Stunden vor dem Lauf die Basalrate meiner Pumpe auf 80%, 1,5 Stunden vorher auf 30% und eine Stunde vorher stellte ich sie aus.

An den Wasserständen, die für die Läufer am Rand der Strecke aufgebaut waren, gab es neben Wasser und isotonischen Getränken Äpfel und Bananen. Diese schieden für mich als Kohlenhydratquellen aus, da ihre Glukose meinem Körper durch meine Fruktoseintoleranz nicht ausreichend verfügbar gemacht werden kann. Aber ich habe noch Freunde ;-), die Cola- und Traubenzuckerreserve für mich am Rand der Strecke bereit hielten oder ein Stück mit dem Rad mitfuhren. Außerdem hatte ich mir für den Lauf selber 500ml Getränk zusammengemixt, das etwa 35g Glukose und einige Mikronährstoffe für eine ausreichende Versorgung an Flüssigkeit, Energie und Mikronährstoffen wie Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium enthielt. Dieses trank ich innerhalb der ersten Stunde aus, etwa 0,5 l Cola folgten. Dadurch viel mir das Laufen allerdings auch schwerer, da ich die permanente Flüssigkeitszufuhr nicht gewöhnt war. Außerdem aß ich etwa zwischen Kilometer 9 bis 17 zwei Stangen Traubenzucker (je 47g).

Das waren ganz schön viele Kohlenhydrate, die ich da zu mir genommen hatte, und dazu hatte ich auch meine Pumpe – anders als beim sonstigen Laufen – nicht wieder auf „Laufen“ gestellt, da ich keine krassen Hypos riskieren wollte und auch noch nie so lang, d.h. eine so weite Strecke, gelaufen war. (Die längste „getestete“ Strecke lag bei ca. 18 km/ 1 Std. 42 Min.) Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nach etwa 17 oder 18 km eine Hypo hatte. Hypos beim Sport zu spüren, ist nicht immer ganz leicht, aber ein Leistungseinbruch zeigte mir diese ganz deutlich, sodass ich leider gezwungen war, einige hundert Meter zu gehen. Ich aß meinen allerletzten Traubenzucker (eine weitere Stange mit 47g, die ich kurz zuvor „vom Rand“ der Strecke erhalten hatte) – aus Panik komplett – auf, war fest entschlossen meine Ermüdung für die letzten zwei Kilometer noch mal zu überwinden und weiter zu laufen.

Auf dem letzten Kilometer gab ich also noch einmal „Gas“ (unterstützt durch die Anfeuerung des Publikums :) ) und erreichte schließlich erschöpft, aber glücklich und stolz nach einer Zeit von 2 Stunden und 14 Minuten  das Ziel.

Dennoch waren meine Beine schwer, vor allen Dingen meine Waden und Achillessehnen schmerzten und mein Körper lechzte nach Wasser. Bis ich mich gedehnt, den Wasserstand entdeckt, meine Freunde gefunden und meine eingeschlossene Tasche (mit Messgerät) besorgt hatte, verging mehr als eine halbe Stunde. Überwältigt von allen Eindrücken dachte ich natürlich auch nicht daran, meine Pumpe wieder auf „laufen“ zu stellen. Das Resultat: 368 mg/ dl. Diese korrigierte ich mit viel zu vielen 8 E und einer einstündigen Basalrate von 150% (ich hatte Angst, in die Keto zu rutschen/ gerutscht zu sein). Diese Reaktion bescherte mir später eine Hypo mit 30 mg/ dl.

Alles im Allen bin ich froh, mitgelaufen zu sein, auch wenn es dem Management meiner (chaotischen) Werte – vielleicht ja beim nächsten Halbmarathon ?! -  noch ein bisschen Übung bedarf.

Bis dahin

Kathi =)

(die Rennmaus)

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Chinareise Teil 1

Dieses Jahr hatte ich einen wirklich ganz akzeptabel bezahlten Job von zwei Monaten. Das angesparte Geld könnte ich auf der einen Seite natürlich für schlechtere Zeiten, die auch sicher kommen mögen, hinterlegen. Auf der anderen Seite werde ich auch nicht jünger und möchte natürlich auch dem Fernweh frönen. Leider kam ich erst einmal aus Europa hinaus – und China stand schon immer auf der Wunschliste möglicher Reiseziele. Da ich zudem in den letzten zwei Semestern in Rostock Studenten unterrichtete, die aus China kamen, war mein persönlicher Bezug zu dem “Reich der Mitte” noch stärker geworden. Also beschloss ich nach China zu fliegen und möchte in zwei Teilen von den Vorbereitungen, bei denen der Diabetes leider eine Hauptrolle spielte, und den Nachwirkungen, wenn ich Ende September wieder in Deutschland bin, berichten.

Reisebüro

Eine Reise nach China kann man natürlich individuell planen oder man geht in ein Reisebüro. In Greifswald wurde mir schon von mehreren Stellen das Reisebüro Atlantis empfohlen, welches ich aufsuchte und die mir auch ein äußerst günstiges Angebot gemacht haben. Nachdem ich das Reisepaket zusammen hatte, die Rechnung bezahlt hatte und anfing die Reise zu planen, kam die Frage auf, wie ich das Insulin, die Insulinpumpe und die restliche Diabetes-Ausrüstung heile nach Peking und zurück bringe. Reiseziele wie die USA oder Australien findet man im Internet zu Genüge, doch China?
Mehrere Telefonate mit der Airline, auf die ich später noch eingehen möchte, brachten da leider keine absolute Gewissheit. Also schrieb ich das Reisebüro an. Innerhalb von wenigen Tagen hatten sie mir die Arbeit abgenommen und mit der Fluglinie telefoniert. Mein Diabetes wurde in der Buchung verzeichnet und der Hinweis gegeben, dass ich aufgrund der Pumpe individuell kontrolliert werden soll. Darüber hinaus kam der Hinweis, ein Attest vom behandelnden Arzt unterschreiben zu lassen. Doch welche Sprache sollte das Attest haben? In Frankfurt/Main genügt sicher ein deutschsprachiges Attest und in Dubai, meinem Umsteigepunkt, ist es sicher möglich, auf Englisch die Sicherheitsbehörden in Kenntnis zu setzen. Doch wie sieht es in Peking aus? Diese Frage könne mir sicher die chinesische Botschaft in Berlin beantworten.

Botschaft

Nachdem ich betrübt feststellte, dass die Botschaft Chinas in Deutschland keinen Emailsupport zuließ, verschob ich diese Frage auf meinen Visumantrag, den ich persönlich in Berlin abgeben musste. Bis dahin schrieb ich die Deutsche Botschaft in Peking an, die mit einer sehr schnellen Reaktionszeit leider keine verbindliche Auskunft geben konnte.
Die chinesische Botschaft in Berlin ist ein Thema für sich. Nur vormittags geöffnet, nahm ich einen Tag frei, um von Greifswald nach Berlin zu fahren. Um 11 Uhr angekommen, wartete ich mit ca. 40 Leuten auf das Visum. Als ich dann fragte, ob ich für Peking ein chinesisches Attest benötige oder ob die englische Variante genügte, wurde ich sehr unfreundlich weggeschickt. Ein wenig echauffiert schrieb ich meinen ehemaligen Studenten diese Frage, die jedoch auch keine weiteren Informationen herausfanden. Kurzum bat ich sie sicherheitshalber, das Attest ins Chinesische zu übersetzen, denn es war praktisch unmöglich, ein solches im Internet zu finden.

Fluglinie

Wenn man eine Fluglinie anruft, landet man meist im Callcenter. Die dortigen Mitarbeiter von Emirates konnten mit meiner Frage nichts anfangen, ob ich das Insulin, die Ersatzpens und die Insulinpumpe ohne Probleme mit in das Handgepäck nehmen darf. Sehr seltsam fand ich vor allem, dass sie nicht verstanden, was eine Insulinpumpe ist und meinten, dass ich diese bei mir behalten muss. Zum Glück hatte das Reisebüro einen besseren Draht.

Ärzte

Im letzten Schritt meiner auf den Diabetes bezogenen Vorbereitungen ging ich zum Arzt und ließ zwei Atteste unterschreiben: Ein deutsch-englisches und ein englisch-chinesisches Attest bescheinigen nun, dass ich Diabetiker bin. Darüber hinaus erhielt ich noch einen Einmal-Pen Novo-Rapid und Levemir, um für den Notfall gerüstet zu sein. Im Gegensatz zu häufigen Gerüchten, dass solche Atteste als Zusatzleistungen vom Patienten zu bezahlen sind, musste ich kein Geld auf den Rezeptionstisch legen.

Die Frage möglicher Impfungen sollte man im Internet recherchieren. Da Peking nicht im tropischen und subtropischen Bereich von China liegt, sind keine zusätzlichen Impfungen notwendig.

PS: Zum Schluss möchte ich noch auf das Angebot vieler Pumpenhersteller, bzw. Vertreter hinweisen, eine Ersatzpumpe für den Auslandsaufenthalt zu bekommen. Auch wenn meine alte Animas sicher noch funktioniert, ist es sicher von Vorteil, eine neue Ersatzpumpe mitzunehmen, falls meine neue versagt. Lobend ist es zu erwähnen, dass dieser Service zumindest bei der Animas kostenfrei ist.

Zusammenfassung

Wenn man ein etwas außergewöhnliches Reiseziel hat, kann es schnell passieren, dass einem planlos Fragen durch den Kopf schwirren. Nun, nach drei Wochen Vorbereitungen, habe ich mehrere Erkenntnisse gesammelt, die mir vorher so nicht bewusst waren.

  1. Reisebüros haben meist einen besseren Draht, spezielle und seltene Fragen mit den Fluglinien oder Reiseanbietern abzusprechen.
  2. Wenn man ein Visum beantragt, sollte man sehr,  sehr viel Zeit mitbringen.
  3. Es ist sicher hilfreich, ein Attest in Deutsch, Englisch und der Reisezielsprache zu besitzen, das vom behandelnden Diabetologen unterschrieben werden muss. Diese Unterschrift war zumindest bei mir kostenfrei.
  4. Als Insulinpumpenpatient (mit der Ausnahme der D-Tron) ist es immer hilfreich, die Original-Insulinflaschen sowie ungefüllte Reservoirs einzustecken, um mögliche Fehlinterpretationen der unbeschrifteten Insulinreservoirs zu vermeiden.

Wenn ich Ende September wieder in Deutschland sein werde, habe ich sicher weitere Erfahrungen gesammelt und kann einen zweiten Teil des Berichtes zum Besten geben.

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Eine Diabetesstation am Rande der Urlaubsinsel Usedom

Manchmal ist eine familiäre Atmosphäre im Krankenhaus vom Vorteil. Dies war mein erster Gedanke, als ich das Kreiskrankenhaus Wolgast betrat. Ich war mit der verantwortlichen Oberärztin Frau Dr. Pieper für ein Interview verabredet. Die meisten Leser werden kaum wissen, wo Wolgast liegt. Es ist eine Kleinstadt im Osten Mecklenburg-Vorpommerns, direkt am Rande der Ferieninsel Usedom. Wenn Sie schon einmal mit dem Auto auf der Insel Urlaub machten, erinnern Sie sich sicher an eine Stadt, in der Sie auf dem Weg im Stau standen. Das war Wolgast!

Das Krankenhaus liegt ein wenig versetzt zur Hauptstraße, so dass man den Verkehr kaum hört. Es ist umgeben von einem kleinen Park, der zum Spazierengehen einlädt und ein wenig Abwechslung zum Klinikalltag bietet. Im Gebäude setzt sich der „grüne Daumen“ fort: In auffällig vielen Ecken, sowohl in der Cafeteria im Eingangsbereich als auch in den Ruheräumen in den Stationen und den Fluren, stehen Topfpflanzen und andere Zimmergewächse, die die Atmosphäre aufhellen. Obwohl die Bausubstanz der „Diabetes / Gyn“ – Station recht alt wirkt, verwandeln die Pflanzen und der kleine Balkon den Stationsflur in ein positives Ambiente.

Der dritte Gedanke war die Freundlichkeit des medizinischen Personals, dem ich begegnete.

Als mich Frau Dr. Pieper, meine Interviewpartnerin, mit einem Lächeln begrüßte, wusste ich sofort, dass dieser erste positive Eindruck doch nicht so falsch war.

Das Kreiskrankenhaus Wolgast ist ein recht kleines Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern. Frau Dr. Pieper, die Oberärztin der Diabetesstation, erklärte sich freundlicherweise bereit, dieses in Form eines kurzen Interviews vorzustellen.

Als Einleitung möchte ich mit zwei Fragen zu ihrer Person und zu den quantitativen Parametern der Diabetesstation beginnen.

 

Wäre es möglich, dass Sie uns zu Beginn ein paar Daten zu Ihrer Person nennen?

Ich studierte von 1984 bis 1990 Medizin an der Charité in Berlin. Im Vorfeld musste man damals schon in einem medizinischen Beruf gearbeitet haben, was mir durchaus half. 1992 kam dann die Promotion und 1996 die Facharztausbildung zum Internisten und im Anschluss zum Diabetologen. Über die Stationen Anklam und Karlsburg landete ich 2006 in Wolgast.

Wie groß ist die Station und wie viele Ärzte arbeiten hier?

Die Station ist eine Kombinationsstation Gyn / Diabetologie. In meinem Teil der Station, d.h. in der Diabetologie gibt es 2 Diabetesberaterinnen, 2 Assistenzärzte und mich. Wir betreuen 14 Betten, wobei die eine Hälfte der Einweisungen akut-internistisch und die andere der (Neu-)Einstellung der Diabetiker ist. Natürlich können wir auch aufbetten, was meist auch notwendig zu sein scheint.

Wenn Sie die Diabetesstation beschreiben müssten: Was sind die Stärken einer in Wolgast vorgenommenen Behandlung bzw. Betreuung und an welchen Stellen existiert aus logistischen, personellen oder finanziellen Gründen Nachholbedarf?

Der größte Vorteil ist die Größe des Hauses und der Stadt. So können wir sowohl zu den einweisenden Hausärzten als auch zu den Patienten einen engen und kollegialen bzw. persönlichen Kontakt aufbauen. Für viele Patienten sind wir schon fast Bezugspersonen, bei denen man nicht extra in die Akte schauen muss, um zu wissen, wo die gängigen Probleme liegen.

Der Nachteil, sofern der überhaupt vorhanden ist, liegt sicher in der geografischen und demografischen Situation in dieser Region. In diesem dünnbesiedelten und weitläufigen Gebiet können die Wege recht lang sein, müssen Einzelfälle unter Umständen weiter delegiert werden und ist es leider nicht erlaubt, eine Ambulanz in der Klinik aufzubauen. Diese befindet sich ja fast direkt vor der Haustür in Karlsburg. Mit einer Ambulanz wäre es einfacher die Fortschritte der Patienten im Alltag zu begleiten oder zumindest eine Rückmeldung zu erhalten.

Wie würden Sie das Verhältnis zu dem benachbarten Karlsburg bezeichnen? Existiert hier eine Konkurrenzsituation oder ist die Zusammenarbeit durchgehend positiv?

Positiv natürlich. Da ich selber in Karlsburg gearbeitet habe und die dortigen Kollegen gut kenne, gestaltet sich die Zusammenarbeit sehr kollegial und hilfreich. Vereinzelnd kommt es sogar vor, dass ich mir in dem Diabetes-/Herzzentrum eine zweite Meinung zu einem besonders komplizierten Fall einhole.

Gibt es im Klinikum Wolgast eine Verbindungsperson, die den anderen Fachrichtungen, wie der Chirugie, Hilfe liefert, falls ein Diabetiker durch einen diabetesfremden oder durch einen durch Komorbidität geprägten Notfall eingeliefert werden muss? (Bspw. Diabetischer Fuß oder Retinopathie)

Dieses Problem ist eigentlich nur in großen Häusern akut. Da wir hier jedoch so klein sind, schaue ich mir jeden Morgen alle diabetischen Patienten auf jeder Station an und betreue ihre Blutzuckereinstellung sowie ihre Insulinbehandlung. So ergibt sich für uns ein äußerst kurzer Draht zumindest zu jeden mit Insulin geführten Diabetiker im Krankenhaus, egal auf welcher Station er oder sie liegt.

Aus welchen Umkreis reisen die Patienten an?

Der absolute Hauptteil der Patienten kommt aus der direkten Umgebung. Dies bedeutet, der absolute Großteil der Patienten kommt von der Insel [Usedom - Anm. d. Verf.], aus Wolgast und den umliegenden Dörfern bis Züssow. Ab und an kommt es im Sommer jedoch auch vor, dass Urlauber von der Insel unsere Hilfe brauchen.

Hatten Sie bisher auch polnische Patienten aus z.B. Swinemünde (Świnoujście)?

Nein, polnische Patienten hatten wir bis dato noch nicht.

Was sind die häufigsten Einweisungsgründe bei den Typ-1-Diabetiker/innen?

Bedingt durch unseren akut-internistischen Charakter kann es auch mal passieren, dass ein Patient mit einer Ketoazidose oder anderen Komplikationen eingeliefert wird. Wie schon gesagt, nur ungefähr die Hälfte aller Patienten sind Erstmanifestationen oder Neueinstellungen. In speziellen Kliniken wie beispielsweise der in Karlsburg sieht das Ganze natürlich etwas anders aus.

Auf der Internetpräsentation haben Sie drei Punkte erwähnt, bei denen ich gerne nachhaken möchte:

  • Physiotherapeutisches Training

Dies ist ein externes Angebot für ältere und vor allem bettlägerige Patienten. Durch ein spezielles, subjektiv angepasstes ergometrisches Belastungstraining sollen kardiologische Probleme, die bei Diabetiker/-innen durchaus vorkommen, verhindert oder zumindest vermindert werden.

  • Patientenmotivation

Die Motivation von Patienten sollte natürlich immer im Vordergrund stehen. Wir haben hier jedoch das Problem, dass die meisten Patienten nicht so lange bleiben, dass sie ein ganzes Schulungsprogramm mitmachen können. Das Resultat ist eine Art Pater-noster-Schulung. D.h., der Diabetiker steigt ganz individuell ins Schulungsprogramm ein und auch wieder aus. Der motivierende Nebeneffekt ist dabei, dass die Diabetesberater auf den “kleinen Zeigefinger” verzichten und viele grundlegende Inhalte häufig wiederholen.

  • Empfehlung und Beratung, Umstellung sowie Begleitung einer Insulinpumpenbehandlung

Bedingt durch die demografische Situation in unseren Einzugsbereich und die Nähe zu Karlsburg haben wir relativ wenige Pumpenpatienten. Trotzdem ist es unser Anspruch, auch auf diesem Gebiet auf dem neuesten Stand zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

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